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Station 6: Wasser als Transportmittel - Die Trift

 

Was ist eine Triftanlage und warum wurde die Holztrift betrieben?

Der schwimmende Transport von Scheitholz einer Länge von etwa einem Meter bis maximal 1,75 Metern entlang von Fließgewässern wird im Allgemeinen als Trift bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurde der Leinbach von Waldleiningen an bis zur Mündung in den Hochspeyer-bach zur Holztrift ausgebaut. Dabei dienten mehrere Wooge, auch Triftklausen genannt, der Speicherung und Abgabe von Wasser in Zeiten geringer natürlicher Zuflüsse. Im unteren Abschnitt des Leinbachs befinden sich insgesamt drei solcher Anlagen (oberer, mittlerer und unterer Biedenbacher Woog). Davon wird der untere Woog heute noch unter diesem Namen geführt.

Das Scheitholz diente als Brennholz, das aus den Waldgebieten häufig zu weiter entfernten Siedlungsschwerpunkten und Produktionsstätten transportiert wurde. Ziele dieses Transports waren vor allem die am östlichen Rand des Pfälzerwaldes gelegenen Städte wie Bad Dürkheim, Neustadt, Landau und die zur Pfalz gehörenden Städte am Rhein (Frankenthal, Speyer, Mannheim).

Im Gegensatz zur Flößerei erfolgte das Triften von Scheitholz auf sehr kleinen Bächen. Dazu mussten diese meistens ausgebaut sowie Böschungen und Sohle auf längeren Strecken befestigt werden. War die Wasserführung für den Transport des Holzes in den Bächen nicht ausreichend, wurden Wooge bzw. Klausen angelegt, aus denen bei Bedarf Wasser abgegeben werden konnte. Zusätzlich wurden Zwischenlagerplätze benötigt, von wo der Einwurf des Holzes erfolgte. Triftknechte begleiteten das schwimmende Holz, um eventuelle Hindernisse zu beseitigen.

Damit das Triften im Leinbachtal nicht in Vergessenheit gerät, wird am unteren Biedenbacher Woog jährlich das Triftfest veranstaltet.

 

 

Geschichte des Trifthandwerks im Leinbachtal

Ab dem Jahr 1816 gehörte die Pfalz zu Bayern. Von da an wurden viele Bäche in der Pfalz ausgebaut. Da fortan ausreichend Geld zur Verfügung stand, wurden innerhalb nur weniger Jahre insgesamt 33 Bäche in der Pfalz für die Trift nutzbar gemacht. Dafür wurden die Ufer ausgemauert, die Bachstrecken gleichmäßig verbreitert und Gefällunterschiede beglichen. Auch der Leinbach wurde ausgebaut und mit Klausen und Schleusen ausgestattet. Fuhrleute aus dem Umland wurden vom hiesigen Forstamt beauftragt, das Holz an den Seewoog (Waldleinigen) zu transportieren, von wo es den Wasserweg antrat. Überwacht wurde die Trift am Leinbach vom Forstamt und dem damals in Neustadt sitzenden Triftamt. Dieses kümmerte sich auch darum, dass stets ausreichend Hilfskräfte vorhanden waren. Getriftet wurde lediglich in den Frühlingsmonaten März und April, um Wiesenschäden zu vermeiden und da sich in diesen Monaten das meiste Wasser im Leinbach befand. Vor Beginn des Triftens blieben die Schleusen an den Woogen bzw. Klausen geschlossen, um den Wasserspiegel zu erhöhen. Stand das Wasser hoch genug, wurden die Schleusen vom Woogmann geöffnet, sodass die Scheite bachabwärts stürzten. Sogenannte Triftknechte liefen neben dem Bach her und sorgten für ein hindernisloses triften der Hölzer. Diese Hölzer wurden bis in den Rhein transportiert, wo sie mithilfe von Holzrechen aus dem Wasser geholt und zu den direkt am Rhein gelegenen Holzöfen in Neustadt, Haßloch, Schifferstadt und Speyer gebracht wurden [Jüpner 2010:18].

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