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Station 6: Forstwirtschaft

Allgemeine Infos

Auf den ersten Blick sieht der Wald des Leinbachtals wild und ungezähmt aus, aber das stimmt nicht ganz. Völlig natürliche Wälder gibt es in Deutschland schon seit langer Zeit nicht mehr. Der größte Teil der Waldfläche wird seit Jahrhunderten genutzt und bewirtschaftet. So auch im Leinbachtal. Aber auf was muss man bei der wirtschaftlichen Nutzung eines so empfindlichen Ökoystems achten, damit sich die Pflanzen und Tiere entwickeln können und welche unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen gibt es? Die Antworten findet ihr hier.

Funktionsweise der Station

An dieser Station findet ihr zwei „Bilderrahmen“, durch die ihr zwei verschieden Waldstücke betrachten könnt. Die eine Perspektive zeigt euch den ursprünglichen Wald des Leinbachtales, die andere zeigt euch den wirtschaftlich genutzten Forst. Seht ihr die Unterschiede?

 

Weitere Infos:

  1. Forstwirtschaft in Deutschland
  2. Die Nachhaltigkeit
  3. Der Waldbau

 

Forstwirtschaft in Deutschland

Deutschland ist von Natur aus ein „Waldland“, das seit früher Zeit von Menschen genutzt, bewirtschaftet und besiedelt wird. Völlig natürliche Wälder gibt es jedoch seit langer Zeit in Deutschland nicht mehr. Der größte Teil der Waldfläche wird seit Jahrhunderten genutzt und bewirtschaftet. Insgesamt bildet der nachhaltig bewirtschaftete Wald mit seiner Vielzahl an Baumarten und Nutzungsformen ein kleinflächig strukturiertes, vielfältiges und dynamisches Mosaik verschiedenster Lebensräume, das zum Erhalt vieler Tier- und Pflanzenarten beigetragen hat.

 

Die Nachhaltigkeit

Lange Produktionszeiträume, die Abhängigkeit von Standortbedingungen (Boden, Klima, etc.) die Störung durch Naturereignisse (u.a. Insekten, Stürme, Eis- und Schneebruch) und das externe Bewirtschaften auf großer Fläche unterscheidet die Forstwirtschaft von anderen Industriezweigen. Daher ist das in der Forstwirtschaft seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) im Jahre 1992 eingeführte „Prinzip der Nachhaltigkeit“ von zentraler Bedeutung. Darunter versteht man das Ziel „andauernd und optimal die vielfältigen ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistungen zum Nutzen der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen sicherzustellen“ [Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2011, 23]. Entstanden ist die Idee der Nachhaltigkeit in Mitteleuropa, da sich gegen Ende des Mittelalters die Holzknappheit verschärfte und die Wälder durch Ausplünderungen zerstört wurden. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges beinhaltet dieser Grundsatz zudem das Streben nach der optimalen und dauerhaften Gewährleistung der Funktionen des Waldes [Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2011, 23].

 

Der Waldbau

Die Aufgabe des Waldbaus ist es, den Wald so zu bewirtschaften, dass all seine vielfältigen Leistungen dem Menschen dauerhaft nutzbar bleiben. Die Vielzahl der vom Standort und Waldbesitzer abhängigen forstwirtschaftlichen Betriebsziele führt auch zu einer Vielfalt von waldbaulichen Verfahren und Waldbildern. Da es im Waldbau keine schematischen Verfahrensregeln gibt, gilt hier das „Gesetz des Örtlichen“, d.h. der Waldbau muss an die lokalen Standortbedingungen angepasst werden. Daher werden folgende Grundsätze angestrebt:

-       Erhaltung und Aufbau strukturreicher Mischwälder

-       Anbau standortgerechter Baumarten und Herkünfte

-       Nutzung der Naturverjüngung, wo Boden und Bestand es zulassen

-       Weitgehender Verzicht auf Kahlhiebe

-       Möglichst stufiger Waldaufbau zur vollen Ausnutzung des Boden- und Luftraumes

-       Dem Einzelbestand angepasste Pflegeintensität

-       Bestandsschonende Holzernte

-       Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit

 

Das in Deutschland dominierende System ist der Hochwald. Die Nutzung erfolgt hierbei einzelstammweise oder kleinflächig, je nach Baumart in einem Zeitraum von 80 bis 200 Jahren. Eine Sonderform bildet der Plenterwald, da hier Bäume unterschiedlichsten Alters nebeneinander stehen. Eine Verjüngung findet also kontinuierlich statt. Beim derzeitigen Trend der naturnahen Waldwirtschaft entstehen mehr Mischwaldbestände mit hohem Naturverjüngungsanteil und langen Verjüngungszeiträumen. Auf Kahlschläge wird weitgehend verzichtet [Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2011, 23].

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