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Station 8: Lebendiger Boden

Allgemeine Infos

Das Laub und die Nadeln, die von Bäumen fallen, sowie umgestürzte abgestorbene Bäume (Totholz) müssten sich im Laufe der Jahre zu riesigen Bergen auftürmen. Doch kleine Lebewesen am Boden leben gerade von diesen Dingen. Tauche ein in den artenreichen Mikrokosmos der Insekten und lerne zu verstehen, wie diese leben.

Funktionsweise

Das Insektenhotel bietet Nistmöglichkeiten für viele verschiedene Insekten. Auf der Schautafel sind die Insekten zu sehen, die sich gerne in solche Nischen und Spalten einnisten. Ihr müsst euch einfach nur davor stellen und aufmerksam beobachten!

 

Weitere Infos:

  1. Insektenhotel
  2. Insekten im Wald
  3. Lebensraum Waldboden

 

1. Insektenhotel

Ein Insektenhotel bietet Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten. Damit möglichst viele unterschiedliche Arten angezogen werden, ist es wichtig, die Vorlieben der Tiere zu kennen, welche das Insektenhotel beziehen sollen. Hierbei ist darauf zu achten, dass nur holzschutzmittel- und pestizidfreie Materialien beim Bau verwendet werden und dass ein sonniger, aber windgeschützter Aufstellort gefunden wird. Als Füllmaterial kann alles dienen, was man im Wald findet: morsche Hölzer, Baumstämme, Gräser, Blätter, Blütenstände, Kräuter, Baumrinde, aber auch Steine, Lehm und noch vieles mehr. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Es muss lediglich beachtet werden, dass die Materialien den natürlichen Lebensraum der Insekten wiedergeben und trocken sind, damit nichts faulen kann. In der Forstwirtschaft wird zwischen Nützlingen und Schädlingen unterschieden.

Ein gern gesehener Gast ist die Florfliege, die sich durch ihren Appetit auf Blattläuse, Spinnmilben oder auch kleine Raupen auszeichnet. Für die Florfliege bietet es sich an, einen sogenannten Florfliegenkasten zu bauen, der auf der Vorderseite rot gestrichen wird. Dies ist eine Farbe, von der die Florfliegen angezogen werden. An der Vorderseite befinden sich auch kleine Schlitze, durch die die Fliegen einziehen können. Innen wird der Kasten mit Stroh gefüllt.

In hohlen Baumstämmen oder Tonröhren  lassen sich Äste von unterschiedlichen Pflanzen anordnen. Es sollte zwischen hohlen und dichten Ästen abgewechselt werden. Hier siedeln sich z.B. verschiedene Bienenarten an. Die Mauerbiene braucht beispielsweise markhaltige Stängel, die gefüllt sind (z.B. die Brombeere). Aber nicht nur ausgehöhlte Baumstämme kommen zum Einsatz, sondern auch volle. Birkenscheite lassen sich gut anbohren und bieten dann Blattschneider- und anderen Wildbiene einen Platz, wo die Larven aufgezogen werden und sie überwintern können. Viele Wildbienen bedürfen eines besonderen Schutzes, da sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Bei der Wahl der Baumstämme ist darauf zu achten, möglichst viele unterschiedliche Strukturen wie Dicke, Alter, Baumart und Zersetzungsgrad anzubieten. Lücken zwischen den Stämmen können mit Stroh gefüllt werden, wo sich Ohrenkneifer gerne einnisten. Laub und trockene Ästchen werden hingegen gerne von Marienkäfern angenommen [Gartenakademie Rheinland-Pfalz].

 

2. Insekten im Wald

Insekten spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald. Sie gehören zu den kleinsten Vertretern der Bewohner des Waldes, sind aber zahlenmäßig am stärksten vertreten. Es ist die artenreichste Klasse der Tiere. Mittlerweile sind schon fast eine Million unterschiedlicher Arten wissenschaftlich beschrieben worden. So unterschiedlich ihre Formen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Aufgaben im Ökosystem Wald. Sie nützen zur Bestäubung, zur Humusbildung oder auch als Nahrung. Der Wald bietet verschiedenste Lebensräume. So gibt es Insekten, die auf totes Wurzelholz spezialisiert sind, andere bevorzugen die Borke oder auch den Raum zwischen Borke und Holz. Hier wird zudem zwischen Rindenbrütern und Holzbrütern unterschieden.

Greift die Forstwirtschaft zu massiv in den Wald ein, hat dies erhebliche Konsequenzen für den Lebensraum der Insekten. Wird Totholz frühzeitig weggeräumt, verlieren viele Arten ihre Nistmöglichkeit. Je mehr Totholz zur Verfügung steht, umso höher ist die Artenvielfalt. Diese kann noch durch Auflichtungen erhöht werden. Als Totholz bezeichnet man tote Äste an einem Baum oder auch abgestorbene Bäume bzw. Teile davon. Es gibt nicht nur Arten, die sich direkt von Rinde oder Holz ernähren, sondern auch Insekten,  die in irgendeiner Phase ihres Lebens auf Totholz angewiesen sind. Zu den Arten, die sich direkt von Rinde oder Holz ernähren, gehört beispielsweise der Bockkäfer. Andere Insekten sind Zweitbesiedler, die die Höhlen und Gänge für ihre eigenen Bruten benutzen, die von holzfressenden Insekten geschaffen worden sind, ohne sich selbst vom Holz zu ernähren, so zum Beispiel einige Wildbienenarten. Bestimmte Fliegen- und Mückenlarven weiden sich an den in Bohrgängen wachsenden Pilzen oder dort lebenden Bakterien, von abgestorbenem Material oder auch Insektenkot. Baumschwämme an totem Holz wiederum beherbergen spezialisierte Käfer und Fliegen.

Eine weitere wichtige Gruppe sind die räuberischen und parasitischen Insekten, die sich von im Holz lebenden Tieren ernähren.

Jede Zerfallsphase des Totholzes zieht bestimmte Insekten an. Erst wenn das Holz zerfällt, geht es wieder in den Boden über. Hier übernehmen nun Insekten des Bodens die weitere Aufgabe der Auflösung des Holzes. Würmer, Schnecken, Asseln und Insekten vernichten die Reste des vermodernden Holzes. Ohne Insekten würde der Holzabbau doppelt so lange dauern, da es erst die Bohrgänge der Insekten Pilzen und Bakterien ermöglichen, in den Baum einzudringen, der sich sonst durch seine Rinde davor schützt. Auch langsam wachsende Weichhölzer, wie Pappeln oder Weiden, werden oft frühzeitig abgeholzt, da sie keine guten Erträge erzielen. Die Raupen einiger Schmetterlingsarten brauchen diese jedoch als „Kinderzimmer“ [Der deutsche Wald kann mehr als rauschen] [Waldwissen.net].

 

3. Lebensraum Waldboden

Der Waldboden ist ein komplexes Gefüge und dient als „Umschlagsort“ für Wasser, Nähr- und Schadstoffe. Zudem bietet er vielen Organismen einen Lebensraum. Im Oberboden (0-30 cm) können sich auf einem Hektar bis zu 25 Tonnen Bodenorganismen befinden. Die Artenvielfalt ist dabei im Boden höher als im oberirdischen Teil des Waldes. In einem Teelöffel voll Waldboden können rund 100 Millionen Bakterienzellen, 60 km Pilzfäden, 30.000 Einzeller und 1.000 Fadenwürmer leben. Diese Organismen sind zuständig für den Streuabbau, die Humusbildung und die Nachlieferung von Nährstoffen. Hier gibt es ein komplexes Zusammenspiel aus physikalischen, biologischen und chemischen Kreisläufen. Obwohl man mit dem bloßen Auge nur sehr wenig beobachten kann, nimmt der Waldboden eine zentrale Rolle ein. Ohne ihn gäbe es den Wald überhaupt nicht. Er ist die Grundlage allen Lebens im Wald [Zechmeister-Boltenstern 2009:20 – 22].

 

 

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