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Station 9: Talformen und ihre Wirkung

Allgemeine Infos

Täler, wie das Leinbachtal, in dem ihr euch gerade befindet, entstehen über viele, viele Jahre hinweg durch das Abtragen und Mitführen von Material durch ein Fließgewässer. Auch der kleine Leinbach, den ihr vor euch habt, hat dieses große Tal geformt! Wie Täler genau entstehen und welche verschiedenen Erscheinungsformen es gibt, erfahrt ihr hier!

Funktionsweise der Station

Die Schautafel zeigt zwei vorherrschende Talformen des Leinbachtals. Durch Abscannen des angebrachten QR-Codes können detaillierte Informationen bezüglich dieser und weiterer Talformen abgerufen werden.

 

Weitere Infos:

Talformen und ihre Entwicklung

Als Tal wird eine „langgestreckte Hohlform unterschiedlichen Ausmaßes mit einem für die geomorphologischen und geoökologischen Bildungsumstände charakteristischen Querprofil und einem bei Talgroßformen auf tektonische, eustatische und epigenetische Bewegung eingestellten Längsprofil" bezeichnet. Oder kurz gesagt, ein Tal ist eine lange Hohlform der Erdoberfläche, die zu einer Seite offen und durch Verwitterungsprozesse und Erosion von Fließgewässern oder Gletschern entstanden ist. Ein Tal ist umso enger, je stärker die Tiefenerosion wirkt und je härter des Gestein ist.

Zu den idealtypischen Grundformen gehören:

          Klamm

          Schlucht

          Canyon

          Kerbtal

          Kerbsohlental

          Kastental

          Muldental

 

Klamm

[Lenz 1993: 188ff.]Eine Klamm ist eine tief geschnittene Gebirgsschlucht, welche sich durch eine intensive Tiefenerosion bei geringer oder fehlender Abtragung der Hänge einen Erosionsschnitt mit nahezu senkrechten Felswänden bildet. Das Längsprofil ist meist steil und unregelmäßig. Die Klamm ist ebenso breit wie das Flussbett. Klammen können nur in widerständigem und standfestem Gestein entstehen. Die mögliche Tiefe der Klamm ist durch die kritische Höhe ihrer Felswände begrenzt, wird diese überschritten, kommt es zu Rutschungen und Felsstürzen und die Klamm wird zur Schlucht. Beispiele sind die Breitach- und Partnachklamm im Allgäu [Ahnert 2003: 221] [Leser 2009: 244ff.].

 

Schlucht

[Lenz 1993: 188ff.]Die Schlucht entsteht, wenn es bei einer Klamm zu Rutschungen und Felsstürzen kommt. Die Hänge sind dann etwas abgeschrägt und die Form der Schlucht wird zum Ausdruck einer starken Tiefenerosion mit einer geringen, aber zunehmenden Hangabtragung. Beispiele hierfür sind die Vorder- und Hinterrheinschlucht (Graubünden/Schweiz), Wutach-, Murg- und Wehra-Schlucht (Südschwarzwald) [Leser 2009: 244ff.].

 

Canyon

Eine besondere Form des Kerbtals ist der Canyon. Aufgrund der herrschenden Tiefenerosion entstehen die tief eingeschnittenen Täler. Durch die flache Lagerung der unterschiedlich widerständigen Gesteinsschichten entsteht das treppenartige Talquerprofil, wodurch sich der Canyon vom Kerbtal unterscheidet. Die Tiefenerosion und die darauf eingestellten Prozesse der Hangabtragung lassen, je nach Widerstandsfähigkeit der Gesteine, entweder steile oder flache Hangabschnitte entstehen. Beispiele sind der Colorado-Canyon (Arizona/USA) sowie der Fischfluss-Canyon (Namibia) [Leser 2009: 244ff.].

 

Kerbtal

Das Kerbtal wird aufgrund des V-förmigen Talquerprofils auch als V-Tal bezeichnet. Vor allem an der Form sind die stark einwirkende Tieferosion und Hangabtragung gut erkennbar. Durch die Seitenerosion werden die Produkte des Hangabtrages am Hangfuß durch das Fließgewässer aufgenommen und abtransportiert. Die Seitenhänge sind demnach unmittelbar an das Flussbett angrenzend und die Flussrichtung, Talrichtung, Tallänge sowie die Flusslänge stimmen weitgehend überein. Endet die Tiefenerosion, so wandelt sich das Kerbtal in ein Sohlental. Beispiele sind die zahlreichen Engtäler der Mittelgebirgsschwelle (Bodetal/Harz), Schwarztal (Thüringer Wald), Queichtal (Pfälzerwald), Weisetal (Schwarzwald)) [Ahnert 2003: 221] [Leser 2009: 244ff.].

 

Kerbsohlental

Das Kerbsohlental (bzw. Sohlenkerbtal) weist ein typisches Talquerprofil auf, welches mehrfache Phasen in der Entstehung aufweist. Vorerst entwickelt es sich wie ein Kerbtal mit am Fluss endenden steilen und gestreckten Hängen. Dieser Teil deutet auf eine starke Tiefenerosion sowie Hangabtragung hin. Durch eine verstärkte Seitenerosion bei noch vorhandener Tiefenerosion führt dies in der weiteren Entwicklung zum Kerbsohlental, wodurch es zu einer Ausweitung des Talbodens kommt. Infolge einer Fluvialakkumulation kann bei der Aufschüttung die Form einer Schottersohle entstehen. Beispiele sind u.a. das Rheintal und das Moseltal [Leser 2009:244ff.].

 

Kastental

Ein gesteinsbedingter Sonderfall zwischen Sohlental und Schlucht bildet das Kastental. Es entsteht infolge starker Tiefenerosion bei gleichzeitig starker Seitenerosion sowie einem Überschuss an transportierbarem Material. Steile, fast senkrechte Wände und ein ebener Talboden sind die Hauptmerkmale des Kastentals. Dabei ist der Talboden meist als Felssohle ausgebildet. Beispiele sind das obere Donautal (Schwäbische Alb), das obere Neckartal (Gäuland), verschiedene Wadis des Randes der nördlichen Sahara (z.B. Wadi Draa) [Leser 2009: 244ff.].

 

Muldental

 

Der Name des Muldentals bezieht sich auf das muldenförmige Talquerprofil. Hauptmerkmale sind die sanften Übergänge zwischen den umgebenden Hängen und dem tiefsten Bereich des Tals, welcher durch die Hangabtragung mittels Materialzulieferungen entsteht. Der Einfluss der Flächenspülung ist bei der Entstehung der Täler dominierend. Die Tiefenerosion fehlt weitgehend. Beispiele sind die zahlreichen kleinen Täler auf fast allen Hochflächen der Mittelgebirge und in Hügelländern mit leicht abtragbaren Sedimentgesteinen und Lockersedimenten, mit und ohne  Lössdecke (Selz und Wiesbach (Rheinhessisches Tafel- und Hügelland)) [Leser 2009: 244ff.].

Alle Abbildungen: [Lenz 1993, 188 pp.]

 

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