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Station 10: Das Triftsystem

Allgemeine Infos

Bevor es Lastwagen gab, mit denen große Mengen an Baumstämmen leicht und schnell transportiert werden konnten, war der Transport mühselig und langwierig. Eine Möglichkeit bestand darin, die von Ästen befreiten abgeschlagenen Baumstämme auf einem Fließgewässer flussabwärts „schwimmen (triften) zu lassen“. Genau dies ist hier auf dem Leinbach vor einigen hundert Jahren passiert. Wie genau das funktionierte  und welche Schwierigkeiten dabei auftraten, könnt ihr hier lernen und selbst nachspielen!

 

Weitere Infos:

Allgemeine Definition des Triftbegriffes

Geschichte des Trifthandwerks im Leinbachtal

Aufbau des Triftsystems im Leinbachtal

 

Allgemeine Definition des Triftbegriffes

Der schwimmende Transport von Holzblöcken einer Länge von etwa 1 Meter bis maximal 1,75 Meter entlang von Fließgewässern wird im Allgemeinen als Trift bezeichnet. Dieses Scheitholz diente als Brennholz, dass aus dem Inneren der Wälder zu weiter entfernten Orten und Produktionsstätten transportiert wurde. Ziele des Transports aus dem Pfälzerwald waren vor allem die Städte Bad Dürkheim, Neustadt und Landau sowie die am Rhein gelegenen Städte Frankenthal, Speyer und Mannheim.

Triften ist nicht mit der Flößerei zu verwechseln, bei der Langholz z.B. für den Schiffsbau über weite Entfernungen auf großen Gewässern transportiert wird. Im Gegensatz dazu erfolgte das Triften von Scheitholz auf kleineren Bächen. Dazu mussten die Bäche oftmals begradigt sowie Abflusshindernisse entfernt werden. Außerdem wurden die Böschungen entlang der Bäche befestigt. Durch den Einbau von Sohlrampen wurde das Gefälle der Bäche verringert, um infolgedessen die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu verringern und dessen Tiefe zu vergrößern. Führte der Bach nicht genügend Wasser, um das Holz zu transportieren, wurden Staubecken bzw. Klausen errichtet, aus denen, wenn nötig, Wasser weitergegeben werden konnte. Für den Triftbetrieb waren weitere Einrichtungen nötig. Vor allem Zwischenlagerplätze an den Bächen, sogenannte Bollerplätze, von wo aus das Holz in die Triftbäche geworfen wurde. Um den Transport der Hölzer zu diesen Plätzen gewährleisten zu können, wurden Bahnen an den angrenzenden Hängen geschaffen, auf denen die Holzblöcke auf Schlitten transportiert wurden. Sogenannte Triftknechte begleiteten das schwimmende Holz, um eventuelle Hindernisse zur Seite zu räumen  [Jüpner 2010:223].

 

Geschichte des Trifthandwerks im Leinbachtal

Ab dem Jahr 1816 gehörte die Pfalz zu Bayern. Von da an wurden viele Bäche in der Pfalz ausgebaut. Da fortan ausreichend Geld zur Verfügung stand, wurden innerhalb nur weniger Jahre insgesamt 33 Bäche in der Pfalz für die Trift nutzbar gemacht. Dafür wurden die Ufer ausgemauert, die Bachstrecken gleichmäßig verbreitert und Gefällunterschiede beglichen. Auch der Leinbach wurde ausgebaut und mit Klausen und Schleusen ausgestattet. Fuhrleute aus dem Umland wurden vom hiesigen Forstamt beauftragt, das Holz an den Seewoog (Waldleiningen) zu transportieren, von wo aus es den Wasserweg antrat. Überwacht wurde die Trift am Leinbach vom Forstamt und dem damals in Neustadt sitzenden Triftamt. Dieses kümmerte sich auch darum, dass stets ausreichend Hilfskräfte vorhanden waren. Getriftet wurde lediglich in den Frühlingsmonaten März und April, um Wiesenschäden zu vermeiden und da der Leinbach in diesen Monaten erfahrungsgemäß den höchsten Wasserstand aufwies. Vor Beginn des Triftens blieben die Schleusen an den Woogen bzw. Klausen geschlossen, um den Wasserspiegel zu erhöhen. Stand das Wasser hoch genug, wurden die Schleusen vom Woogmann geöffnet, sodass die Scheite bachabwärts stürzten. Die Triftknechte liefen neben dem Bach her und sorgten für einen hindernislosen Fluss der Hölzer. Diese wurden bis in den Rhein geschwemmt, wo sie mithilfe von Holzrechen aus dem Wasser geholt und zu den Holzöfen in Neustadt, Haßloch, Schifferstadt und Speyer gebracht wurden [Neumer 1994:139].

 

Aufbau des Triftsystems im Leinbachtal

Der Leinbach befindet sich südöstlich von Kaiserslautern und ist ein rechter Nebenfluss des Hochspeyerbachs. Im 19. Jahrhundert wurde der Bach von Waldleiningen bis zur Mündung in den Hochspeyerbach für die Holztrift nutzbar gemacht. Dabei dienten sogenannte Wooge, auch Triftklausen genannt, zum Speichern und zur Abgabe des Wassers, wenn der Bach nicht ausreichend Wasser führte. Mit dem Biedenbacher Woog befindet sich eine sehr gut erhaltene Triftanlage im unteren Abschnitt des Leinbachtales. Deshalb wird der Finsterthaler Woog heute als Biedenbacher Woog bezeichnet. Vor einigen Jahren wurde das Wasser zwischen beiden befindlichen Klausen abgelassen, sodass dieser manchmal kein Wasser mehr führt. Oberhalb der Wooge befindet sich ein aus Sandsteinen gebautes Mauerbauwerk mit einer zusätzlichen Triftklause, die auch Felsenthaler Klause genannt wird. Nicht weit von diesem Bauwerk entfernt befindet sich in einem Nebental die Ungerthaler Klause. Damit das Triften im Leinbachtal nicht in Vergessenheit gerät, wird am Biedenbacher Woog jährlich das Triftfest gefeiert, bei dem unter anderem Triftvorführungen stattfinden [Jüpner 2010:212].

Abbildung Biedenbacherwoog [Jüpner 2010:214]

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